IDELA Uganda e.V. – ein Teil meines Lebens

- von Kirsten König, Vorsitzende IDELA Uganda e.V. -

  

Vor gut drei Jahren war ich das erste Mal in Uganda – ohne zu wissen auf was ich mich einließ ging es mit 16 Jahren in „die Perle Afrikas“; Uganda, ein Land bei dem viele überlegen müssen wo es liegt und in welchem Zusammenhang man davon schon einmal gehört hat. Erschreckenderweise, wird Uganda meist nur mit Idi Amin und Despoten in Zusammenhang gebracht. Mit einer gewissen Angespanntheit und vor allem Aufregung wie ich Uganda wohl kennen lernen werde, ging es im Juni 2011 los und wie ich heute sagen kann ging es mit einem neuen Lebensabschnitt für mich los.

Lebensfreude und Tod, Nächstenliebe und Korruption, Handys und Dörfer ohne Strom - ich wurde mit vielen, für mich, offensichtlichen Kontrasten konfrontiert, aber vor allem mit einer enormen Gastfreundschaft. Ich muss zugeben, dass ich Freundschaft in Uganda noch einmal ganz anderes kennen lernen konnte: Man hilft nicht nur seinem Partner, Kindern und Eltern sondern der ganzen Familie, den Freunden der Familien, Freunden, Freunden von Freunden, Nachbarn und Familienmitglieder von Nachbarn. Gerne möchte ich an dieser Stelle von zwei Schlüsselerlebnissen berichten, die mich sehr prägten und mir zeigten was wahre Nöchsteliebe und Hilfsbereitschaft meint:

In meiner zweiten Woche in Uganda ist der Nachbar meiner Gastfamilie an Malaria gestorben. Er hinterließ seine Frau mit zwei Kindern, 9 und 11 Jahre. Als mein Gasteltern von der Arbeit wieder kamen waren sie schon informiert. Mein Gastvater nahm 2 dicke Jacken und einer Decke unter den Arm und ging zum Nachbarhaus. Meine Gastmutter fing an in den größten Töpfen über der Feuerstelle zu kochen. Ich hilf ihr beim Matoke machen und Reis kochen. Sie erzählte, dass morgen die Beerdigung sei und dass viele Menschen kommen werden. Anschließend gibt es für jeden der kommt etwas zu essen, welches in der Nacht zuvor von allen Nachbarn zubereitet wurde. Jeder bringt so viel wie eben möglich. Und die Männer bleiben bei den Hinterbliebenen, schützen und trösten sie mindestens für vier Nächte. Wie die Beerdigung auf mich gewirkt hat, kann ich bis heute nur schwer in Worte fassen: ich war und bin tief beeindruckt wie die unheimliche Religiosität der Menschen die Trauer erträglicher macht. Unser Nachbar war Muslim, seine Frau Christin. Muslime und Christen leben dort zusammen, gemeinsam in Frieden. Das war für mich in gewisser Weise überraschend. Ein solch enges friedliches iteinander war mir fremd auch wenn ich nie zuvor selbst mit Konflikten zwischen den beiden Weltreligionen konfrontiert war hatten die stetigen Nachrichten mir doch bisher nur ein Bild von gegenseitiger Befremdung vermittelt.

 

Ich wollte diese Erlebnisse teilen - mit Freunden und Bekannten - und als ich etwas über meinen ugandischen Alltag berichtete und wie ich den der Ugander wahrgenommen habe, ist, so denke ich, ein Teil dieser unglaublichen und ansteckenden ugandischen Lebensfreude auf meine Zuhörer abgefärbt. Es waren meine Mitschüler, die einen weiterführenden Austausch mit Ugandern wünschten und damit das heutige Schulpartnerschaftsprojekt initiierten. In den letzten drei Jahren, sind bereits sechs meiner Mitschüler in Uganda gewesen und damit aktiv am Austausch beteiligt. Bereits zweimal konnten wir ugandischen Besuch am Landesmusikgymnasium willkommen heißen. Mit der diesjährigen dreiwöchigen Projektphase wurde der Austausch noch einmal um ein Vielfaches intensiviert und endgültig von einem kleinen Projekt mit einer Deutschen und zwei ugandischen Schulen in ein wesentlich größeres und regionsunabhängigeres Projekt verwandelt. Mit sieben anderen Studenten ging es für drei Wochen an die Partnerschulen des Landesmusikgymnasium in Kalungu sowie zur Grundschule St. Joseph in Ssaza. Gemeinsam mit Schülern, Eltern und Lehrern wurden trist graue Wände bunt und einladend. Kaputte Schulbänke wurde repariert und stabilisiert, Böden neu zementiert, Workshops zu verschiedenen Themen geleitet und vor allem wurde sich ausgetauscht. Die Wissbegierde der Kinder war kaum zu stillen. Beeindruckend erklärten uns die 7. Klässler die europäische Geschichte und die Rolle Deutschlands ab Anfang des 19. Jahrhunderts. Für viele dieser Kinder ist die Schulbildung allerdings bald vorbei, denn eine weiterführende Schule steht gerade mal bei einem Sechstel der Klasse zur Option. Die meisten Kinder werden ab Januar zu Hause mithelfen, auf den Feldern arbeiten oder sich um ihre Geschwister kümmern. Ein paar der Siebtklässler-Jungs kamen auf mich zu und haben mir scherzhaft den ganzen Seifenprozess erklärt und mir nachher gesagt, dass sie stolz sind zu wissen wie sie selbst einmal Seife und Salbe herstellen können. Sie baten mich, denen zu danken, die das Seifenprojekt finanziell ermöglicht haben. Der Dank geht an Sie!

 

Ich bin Kirsten König, 20 Jahre alt und  studiere am University College Freiburg Liberal Arts and Sciences mit dem Schwerpunkt Governance. Ich komme ursprünglich aus Borken, einer kleinen Stadt im Münsterland, habe aber auf Grund meiner Liebe zur Musik ab der 7. Klasse das Landesmusikgymnasium Montabaur RLP  besucht sowie das dazugehörige Internat. Neben IDELA Uganda e.V. und der Musik, bin ich am Liebsten mit Freunden und meiner Familie unterwegs. Ich mache gerne Sport, koche gerne und bin für jedes spontane Outdoor Ereignis zu haben. Seit einigen Monaten helfe ich im Orga-Team der Initiative Schlüsselmensch e.V., die sich für die Rechte von Flüchtlingen in Deutschland stark macht. Mir ist es wichtig, selbst wenn es nur im kleinen Rahmen ist, anderen Kindern und Jugendlichen die nicht selbstverständlich vor Hunger, Armut und/oder Diskriminierung geschützt sind zu helfen – because we are one world!

Ich freue mich über Ihre Nachricht!

Kirsten K. im September 2014